Nicht mehr Stottern – Feel the Change

Sprachfehler können sich ändern

Mein täglicher Kampf mit dem Stottern

Mein Leben als Stotterer – ich gehöre zu den idiopathischen – ist mittlerweile ziemlich geregelt, da ich mich auf die Hindernisse in meinem Alltag gut vorbereiten kann.

Damit meine ich, dass ich unangenehme Situationen, die sich durch meine Krankheit ergeben, am besten meide und mein Tag vollends geregelt sein muss. Denn wenn mich Situationen überraschen, dann drehen sich die Worte in meinen Gedanken und die Sätze reihen sich glatt aneinander, doch nach außen dringt einfach nichts. Es ist so, also möchte man die Augen aufreißen, die mit Patex-Kleber zugeklebt wurden.

Mein einschneidendstes Erlebnis war ein Einkauf bei unserem Bäcker, dessen Personal um mein Stottern weiß, ich es allerdings immer geschafft habe, meine Bestellung abzugeben – mit Unterbrechungen und Pausen, aber ich habe es geschafft. Bis zu jenem Tag, als gar nichts mehr ging und ich vor lauter Scham die Flucht ergriffen habe. Ich fühlte mich so elend, als wäre ich ein ein Niemand. Das einzigste was ich fühlte war Hass auf mich selbst und die Frage, warum es mich erwischt hat. Ich ging danach kaum mehr aus dem Haus. Sperrte mein Leben weg. Sperrte mich aus dieser Gesellschaft.

Erst durch die Unterstützung meiner Eltern, die mir auch bei meiner Therapie unterstützen, konnte ich wieder Mut fassen. Dennoch kann ich dieses traumatische Erlebnis nicht mehr verdrängen, so dass ich meine Bestellungen immer auf einem Zettel notiere und diesen bei der Verkäuferin abgebe.

Den Mut an diesem Ort zu sprechen habe ich noch nicht fassen können, auch wenn ich täglich Fortschritte mache und sehe, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

Dass mein Alltag eigentlich kein Alltag ist, sondern ein ständiger Kampf ums Dasein ist, musste ich erst lernen. Allerdings habe ich den Kampf angenommen und träume davon, eines Tages ein stotterfreies Leben führen zu können.


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